Was ist die Taufe?
Die Taufe ist der Eingangsritus des Christentums. Mit ihr wird ein Mensch – Kind oder Erwachsener – in die christliche Gemeinschaft aufgenommen. Sie ist der Beginn des Glaubensweges.
Theologisch entscheidend ist: Die Taufe ist primär Gottes Handeln, keine menschliche Leistung. Gott wendet sich dem Menschen zu und schenkt ihm Anteil am Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi. Das Wasser ist das sichtbare Zeichen dieses unsichtbaren Geschehens.
Die Taufe wird vollzogen mit Wasser und den Worten: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." Diese Formel gilt in allen großen christlichen Konfessionen. Eine Taufe, die mit ihr vollzogen wurde, wird von evangelischen, katholischen und orthodoxen Kirchen wechselseitig anerkannt – festgehalten in der Magdeburger Erklärung von 2007, die EKD, Deutsche Bischofskonferenz und neun weitere Kirchen unterzeichnet haben.
Biblische Grundlage
Mehrere Stellen des Neuen Testaments sind für das Verständnis der Taufe grundlegend:
„Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."
Matthäus 28,19Der sogenannte Taufbefehl – die direkte Grundlage der kirchlichen Taufpraxis. Jesus gibt hier selbst die Taufformel vor.
„Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln."
Römer 6,3–4Paulus beschreibt die Taufe als mystische Teilhabe am Ostergeschehen: Der Getaufte stirbt mit Christus und wird mit ihm zu neuem Leben auferweckt.
„Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes."
Apostelgeschichte 2,38Die älteste dokumentierte Taufpredigt des Christentums – Petrus an Pfingsten. Sündenvergebung und Heiliger Geist als unmittelbare Wirkungen der Taufe.
„Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen."
Johannes 3,5Jesus im Gespräch mit Nikodemus: Die Taufe als Wiedergeburt – ein Neuanfang, der von Gott her kommt.
„Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen."
Galater 3,26–27Taufe als Einverleibung in Christus: Der Getaufte „zieht Christus an" – ein neues Sein, nicht nur eine neue Überzeugung.
Das Wasser – Symbol für Tod und Leben zugleich
Wasser hat im christlichen Verständnis eine Doppelbedeutung, die es zum idealen Zeichen der Taufe macht: Es kann töten und es spendet Leben. In der Taufe geht beides zusammen – der alte Mensch geht unter, ein neuer entsteht.
Das Neue Testament greift dabei auf Bilder aus dem Alten Testament zurück:
- Die Sintflut (1. Petrus 3,20–21): Das Wasser vernichtet das Alte, die Arche rettet Noah. Petrus deutet die Arche ausdrücklich als Vorbild der Taufe.
- Der Durchzug durch das Rote Meer (1. Korinther 10,1–2): Israel zieht durch das Wasser in die Freiheit. Paulus nennt es eine Taufe „auf Mose".
- Die Schöpfung (Genesis 1,2): Der Geist Gottes schwebt über dem Wasser – Gott schafft Leben aus dem Chaos. In der Taufe schafft er neues Leben.
Martin Luther brachte es in einem Bild auf den Punkt: In der Taufe wird „der alte Adam ersäuft" – und jeden Tag neu begraben durch Buße und Umkehr.
Was die Taufe bewirkt
Trotz unterschiedlicher Akzentsetzung sind sich evangelische und katholische Tauflehre in den wesentlichen Wirkungen einig:
Die Taufe schenkt die Vergebung aller Sünden – bei Kindern der Erbsünde, bei Erwachsenen zusätzlich aller persönlichen Sünden.
Die Taufe ist ein Neuanfang. Der Getaufte ist ein „neues Geschöpf" (2. Korinther 5,17) – nicht verbessert, sondern neu.
Der Getaufte ist in Christus eingegliedert – teilhabend an seinem Tod und seiner Auferstehung (Römer 6,3–4).
Mit der Taufe wird der Heilige Geist geschenkt – der Geist Gottes, der im Leben des Getauften wirkt und ihn trägt.
Durch die Taufe wird der Mensch Teil der Kirche – der weltweiten Gemeinschaft aller Getauften.
Die Taufe ist einmalig und unwiderruflich. Sie kann nicht rückgängig gemacht werden und wird deshalb nie wiederholt – auch nicht bei einem Wechsel der Konfession.
Evangelisch und katholisch: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Beide Konfessionen bejahen die Taufe als Sakrament – also als eine von Jesus Christus eingesetzte heilige Handlung, in der Gott wirklich handelt. Die Unterschiede liegen im Detail:
Evangelisch
- Zwei Sakramente: Taufe und Abendmahl
- Die Taufe ist „das Wasser in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden" (Luther, Kleiner Katechismus)
- Tägliche Buße als „Rückkehr zur Taufe" – die Taufe ist eine lebenslange Zusage Gottes
- Kindertaufe ist möglich, weil die Taufe Gottes Handeln ist – nicht abhängig vom Glauben des Täuflings
- Die Taufe hinterlässt kein ontologisches „Siegel" im scholastischen Sinne
Katholisch
- Sieben Sakramente; die Taufe ist „das erste und grundlegende Sakrament" (Katechismus der Kath. Kirche)
- Die Taufe wirkt ex opere operato – durch den gültigen Vollzug selbst
- Sie prägt ein unauslöschliches geistliches Siegel (character indelebilis) ein
- Tilgung der Erbsünde und aller Sündenstrafen
- Voraussetzung für alle anderen Sakramente
Seit der Magdeburger Erklärung (2007) erkennen EKD, Deutsche Bischofskonferenz und neun weitere Kirchen die Taufe wechselseitig an. Eine in einer dieser Kirchen gespendete Taufe gilt in allen anderen als gültig.
Geschichte der Taufe
Die Taufe hat ihre Wurzeln in der Johannestaufe – einer Bußtaufe im Jordan, die Johannes der Täufer vollzog. Jesus selbst ließ sich von Johannes taufen (Markus 1,9–11). Damit hat er sich mit dem taufenden Ritus solidarisiert und ihm eine neue Bedeutung gegeben.
Nach Pfingsten wurde die Taufe sofort zum Eingangsritus der christlichen Gemeinschaft. Das älteste erhaltene Dokument mit konkreten Anweisungen zur Taufpraxis ist die Didache (um 100 n. Chr.): Sie beschreibt fließendes Wasser als bevorzugtes Taufmedium, fordert ein dreitägiges Fasten des Täuflings und überliefert die trinitarische Taufformel.
Die Kindertaufe ist seit dem 3. Jahrhundert belegt. Tertullian (gest. um 220 n. Chr.) lehnte sie als erster Theologe ab – was impliziert, dass sie damals bereits praktiziert wurde. Augustinus (354–430) begründete ihre Notwendigkeit theologisch mit der Erbsündenlehre: Da alle Menschen in Erbsünde geboren sind, brauchen auch Kinder die Taufe. Mit der Ausbreitung des Christentums wurde die Kindertaufe ab dem 4. Jahrhundert zur Norm.
In der Reformation des 16. Jahrhunderts hielten Luther und Zwingli an der Kindertaufe fest, betonten aber ihre Gnadenhaftigkeit neu. Die täuferische Bewegung (Vorläufer der heutigen Baptisten und Mennoniten) verwarf die Kindertaufe und forderte die Glaubenstaufe mündiger Erwachsener.
Konfirmation und Firmung – die Verbindung zur Taufe
Beide Riten, Konfirmation (evangelisch) und Firmung (katholisch), stehen in engem Zusammenhang mit der Taufe – aber theologisch unterschiedlich:
Konfirmation (evangelisch)
Die Konfirmation ist kein eigenes Sakrament, sondern die persönliche Bekräftigung der empfangenen Taufe. Sie entstand aus der Erkenntnis, dass Kinder, die als Säuglinge getauft wurden, später selbst Stellung beziehen sollen. Die Konfirmation verleiht nichts, was die Taufe nicht schon vollständig geschenkt hat. Typisch erfolgt sie mit etwa 14 Jahren – dem Alter, ab dem Jugendliche in Deutschland selbst über ihre Religionszugehörigkeit entscheiden können.
Firmung (katholisch)
Die Firmung ist ein eigenes Sakrament – das zweite der drei Initiationssakramente nach Taufe und vor der Erstkommunion. Sie „vervollständigt die Taufgnade" (Katechismus der Kath. Kirche, Nr. 1316) und verleiht die Gaben des Heiligen Geistes in besonderer Fülle. Wie die Taufe prägt sie ein unauslöschliches Siegel ein und ist deshalb nicht wiederholbar.