Vorbereitung & Organisation

Wann soll ein Kind getauft werden – gibt es eine Frist?

Es gibt weder in der evangelischen noch in der katholischen Kirche eine verbindliche Frist. Die meisten Kinder werden im ersten Lebensjahr getauft, aber auch eine spätere Taufe – wenn das Kind bereits bewusst wahrnimmt, was geschieht – ist möglich. Den Zeitpunkt wählen die Eltern selbst. Auch die Taufe von Schulkindern oder Jugendlichen ist jederzeit möglich.

Was kostet eine Taufe?

Die Taufe selbst ist in beiden Kirchen kostenlos. Evangelisch gilt: Alle anfallenden Kosten werden von den Kirchenmitgliedern übernommen, die Kirchensteuer zahlen. Katholisch dürfen Sakramente nach kirchlichem Recht grundsätzlich nicht verkauft werden; Taufgebühren werden in den meisten Bistümern nicht erhoben. Zusatzkosten können allenfalls für optionale Extras wie Blumenschmuck oder besondere Musik entstehen.

Wie lange dauert ein Taufgottesdienst?

Das hängt davon ab, ob die Taufe in einen regulären Sonntagsgottesdienst eingebunden ist oder als eigener Gottesdienst gefeiert wird. Evangelisch dauert ein separater Taufgottesdienst in der Regel 45–60 Minuten. Katholisch dauert ein eigener Taufgottesdienst außerhalb der Messe etwa 30–40 Minuten; wird die Taufe innerhalb einer Messfeier gefeiert, verlängert sich die Gesamtdauer entsprechend.

Müssen die Eltern Kirchenmitglied sein, damit ihr Kind getauft werden kann?

Evangelisch: Mindestens ein Elternteil sollte Kirchenmitglied sein. Sind beide aus der Kirche ausgetreten, entscheidet die zuständige Pfarrperson im Einzelfall; die Regelungen variieren zwischen den Landeskirchen. Ein gläubiger Taufpate kann dabei eine wichtige Rolle spielen.

Katholisch: Der Kirchenaustritt der Eltern ist allein kein Hinderungsgrund, solange begründete Hoffnung besteht, dass das Kind im christlichen Glauben erzogen wird. Können Paten, Großeltern oder andere Angehörige diese Erziehung sicherstellen, ist eine Taufe möglich. In beiden Kirchen empfiehlt sich ein offenes Gespräch mit der Pfarrperson vor Ort.

Was passiert, wenn die Eltern verschiedenen Konfessionen angehören?

Die Eltern entscheiden gemeinsam, in welcher Konfession das Kind getauft wird. Eine „ökumenische Taufe" ohne Konfessionszugehörigkeit gibt es nicht – die Taufe nimmt das Kind in eine konkrete Kirchengemeinschaft auf. Da beide Kirchen die Taufe der jeweils anderen gegenseitig anerkennen, muss das Kind nicht erneut getauft werden, wenn es später die Konfession wechselt. Hilfreich bei der Entscheidung: Welcher Elternteil ist stärker in seiner Konfession verwurzelt und wird das Kind im Alltag religiös begleiten?

Taufpaten

Welche Voraussetzungen müssen Taufpaten erfüllen?

Evangelisch: Paten müssen Mitglied einer evangelischen Kirche, konfirmiert und mindestens 14 Jahre alt sein. In vielen Landeskirchen werden auch Angehörige anderer christlicher Kirchen zugelassen. Wer aus der Kirche ausgetreten oder nicht getauft ist, kann nicht Taufpate werden. Als Nachweis dient in der Regel ein Patenschein der Heimatgemeinde.

Katholisch: Paten müssen mindestens 16 Jahre alt, katholisch (getauft, gefirmt, Erstkommunion empfangen) und nicht aus der Kirche ausgetreten sein. Sie dürfen nicht Vater oder Mutter des Kindes sein. Eine evangelische Person kann als Taufzeuge neben einem katholischen Paten zugelassen werden, nicht aber als vollwertiger Pate.

Kann ein Kind auch nur einen Paten haben?

Ja. Kirchenrechtlich ist ein Pate ausreichend. Evangelisch ist die Anzahl der Paten nicht verbindlich geregelt; manche Gemeinden empfehlen zwei, andere lassen auch einen oder drei zu. Katholisch schreibt der Codex Iuris Canonici einen Paten oder eine Patin vor; es können auch ein Pate und eine Patin gemeinsam bestellt werden – aber nicht zwei Personen desselben Geschlechts als offizielle Paten. In der Praxis sollte man die konkrete Handhabung mit dem zuständigen Pfarramt abstimmen.

Der Taufritus

Wird bei der Taufe untergetaucht oder Wasser aufgegossen?

In der überwiegenden Mehrheit der evangelischen und katholischen Taufen wird Wasser über den Kopf des Täuflings gegossen (Übergießen/Aspersion) – das ist seit dem Mittelalter die Standardmethode beider Konfessionen. Das vollständige Untertauchen (Immersion) gilt als ältere, ursprünglichere Form und ist heute vor allem in Freikirchen und der orthodoxen Kirche verbreitet. Einige evangelische Landeskirchen und einzelne katholische Gemeinden (für Erwachsenentaufen) haben die Immersion inzwischen zugelassen. Ob sie möglich ist, erfährt man am besten direkt beim Pfarramt.

Was ist der Unterschied zwischen Taufe und Segnung eines Kindes?

Die Taufe ist ein Sakrament: Gottes unwiderrufliche Zuwendung wird dem Kind zugesprochen, es wird in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen und erhält die Kirchenmitgliedschaft. Die Segnung dagegen ist kein Sakrament. Sie feiert die Geburt und drückt aus, dass das Kind von Anfang an Gottes geliebtes Kind ist – ohne Glaubensbekenntnis, ohne Kirchenmitgliedschaft und ohne Bindung der Eltern. Manche Eltern wählen die Segnung, um dem Kind die eigene Entscheidung zur Taufe zu einem späteren Zeitpunkt zu überlassen. Die Segnung ersetzt die Taufe nicht und ist keine „Taufe light".

Sonderfälle

Kann man die Taufe als Erwachsener nachholen?

Ja. Wer als Kind nicht getauft wurde, kann sich als Erwachsener taufen lassen. Die Taufe ist jedoch einmalig und unwiederholbar – wer bereits (in einer anderen Konfession) getauft wurde, wird nicht erneut getauft, da die Taufe wechselseitig anerkannt wird. Evangelisch wendet man sich ans Pfarramt; es folgen Taufgespräche oder ein Glaubenskurs zur Vorbereitung. Katholisch geht der Taufe in der Regel ein Katechumenat von etwa einem Jahr voraus; Erwachsenentaufen finden meist in der Osternacht statt.

Was passiert mit der Taufe, wenn man später aus der Kirche austritt?

Die Taufe bleibt gültig. Nach kirchlicher Überzeugung ist sie ein unauflösliches Geschehen – sie kann weder rückgängig gemacht noch „aberkannt" werden. Der Kirchenaustritt beendet die rechtliche Kirchenmitgliedschaft und die Kirchensteuerpflicht, aber nicht die sakramentale Taufe selbst. Wer ausgetreten ist und später wieder eintreten möchte, muss nicht erneut getauft werden.