Was ist ein Fürbittgebet?
Das Fürbittgebet – kurz auch „die Fürbitten" – ist kein Wunschgebet unter Menschen, sondern eine direkte Anrede Gottes. Die Gemeinde bittet stellvertretend: für das Taufkind, für seine Eltern und Paten, für alle Anwesenden und oft auch für Menschen weit über die Tauffeier hinaus.
Der Begriff leitet sich vom lateinischen intercessio ab – das Eintreten für jemanden. Wer eine Fürbitte spricht, tritt vor Gott für einen anderen ein. Das macht das Fürbittgebet zu einem der ältesten und zentralsten Gebetsformen im christlichen Gottesdienst.
Fürbitten werden im Wechsel gesprochen: Eine Person trägt eine einzelne Bitte vor, die Gemeinde antwortet mit einem gemeinsamen Ruf – zum Beispiel „Wir bitten dich, erhöre uns" oder „Herr, erbarme dich". Am Ende fasst der Pfarrer oder die Pfarrerin alle Bitten in einem Schlussgebet zusammen.
Wann werden die Fürbitten im Gottesdienst gesprochen?
Der Ort der Fürbitten im Taufgottesdienst unterscheidet sich zwischen evangelischer und katholischer Praxis deutlich – beide haben aber ihren eigenen liturgischen Sinn.
Evangelisch
Die Fürbitten stehen im Schlussteil des Taufgottesdienstes – nach der Taufhandlung und dem Entzünden der Taufkerze, unmittelbar vor dem Vaterunser und dem Segen. Das Kind ist in diesem Moment bereits getauft; die Gemeinde betet für seinen Weg.
Katholisch
Die Fürbitten stehen im Wortgottesdienst-Teil – nach der Predigt und der Anrufung der Heiligen (Litanei), noch vor der eigentlichen Taufhandlung. Die Bitten begleiten die Familie auf dem Weg zur Taufe und bereiten die Gemeinde auf den Ritus vor.
Wer eigene Fürbitten einbringen möchte, sollte das im Vorbereitungsgespräch mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin ansprechen. Ablauf, Antwortrufe und Anzahl der Bitten werden gemeinsam abgestimmt.
Wer darf Fürbitten sprechen?
In beiden Konfessionen ist die Beteiligung von Laien bei den Fürbitten ausdrücklich vorgesehen und erwünscht – sie ist keine Ausnahme, sondern Teil des Ritus.
- Eltern — tragen oft die Eröffnungsbitte vor oder sprechen eine Bitte für ihr Kind
- Paten — übernehmen häufig eine eigene Bitte, da sie dabei versprechen, das Kind auf seinem Lebensweg zu begleiten
- Großeltern, Geschwister, Freunde — können ebenfalls eingebunden werden; ältere Geschwisterkinder besonders gern
Wichtig ist nur: Eigene Bitten vorab mit dem Pfarramt absprechen. Inhalt, Länge und der Antwortgesang der Gemeinde werden im Taufgespräch geklärt. Dann ist die aktive Beteiligung in der Regel problemlos möglich.
Aufbau einer Fürbitte
Eine einzelne Fürbitte ist kurz und direkt. Sie richtet sich an Gott – nicht an die Anwesenden. Wer eine Bitte vorträgt, spricht für die Gemeinde, nicht über das Kind oder die Familie.
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1Eröffnung durch den Liturgen
Der Pfarrer oder die Pfarrerin leitet die Fürbitten mit einem einleitenden Satz ein und stimmt die Gemeinde auf die Gebetshaltung ein.
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2Einzelne Bitte
Eine Person spricht eine kurze, direkte Bitte – meist ein bis drei Sätze. Typische Eröffnungen: „Gott, wir bitten dich …" oder „Herr, wir bitten dich für …". Am Ende jeder Bitte folgt eine kleine Pause.
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3Antwort der Gemeinde
Alle Anwesenden antworten gemeinsam – evangelisch oft „Herr, erbarme dich" oder „Wir bitten dich, erhöre uns", katholisch „Wir bitten dich, erhöre uns" oder „Herr, erhöre uns". Der genaue Ruf wird vorab abgestimmt.
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4Weitere Bitten im gleichen Muster
Jede weitere Person spricht ihre Bitte; die Gemeinde antwortet jeweils. Empfohlen werden vier bis sieben Bitten – genug, um alle wichtigen Themen anzusprechen, ohne den Rhythmus zu verlieren.
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5Schlussgebet und Amen
Der Pfarrer oder die Pfarrerin fasst alle Bitten in einem kurzen Gebet zusammen. Die Gemeinde beschließt es mit einem gemeinsamen Amen.
Themen für die Fürbitten
Fürbitten zur Taufe kreisen um die Menschen, die an diesem Tag verbunden sind – und öffnen sich nach außen. Eine typische Reihe bewegt sich von innen nach außen: vom Kind über die Familie zur Gemeinde und zur Welt.
Für das Taufkind
- Behütung und Gesundheit
- Wachsen im Glauben
- Freude, Neugier, Zuversicht
- Menschen, die zu ihm/ihr halten
- Kraft in schweren Zeiten
Für Eltern und Paten
- Kraft und Geduld in der Erziehung
- Weisheit, das Kind zu begleiten
- Freude an ihrer Verantwortung
- Halt in Überforderung und Zweifel
Für die Gemeinde
- Verantwortung für das Kind
- Christliches Miteinander
- Offenheit für neue Mitglieder
Für die Welt
- Kranke und Trauernde
- Menschen in Not und Angst
- Friede – nah und fern
- Verstorbene der Familie
Beispiel-Fürbitten
Diese Formulierungen dienen als Vorlage und Inspiration – sie können übernommen, abgewandelt oder als Ausgangspunkt für eigene Bitten verwendet werden. Optional: Name und Geschlecht eintragen, dann werden die Texte automatisch angepasst.
Texte personalisieren (optional)
Gott, wir bitten dich für [Name]: Behüte [ihn/sie] auf allen Wegen. Schenke [ihm/ihr] Gesundheit, Freude und Menschen, die zu [ihm/ihr] halten.
Für das TaufkindHerr, wir bitten dich für die Eltern von [Name]: Gib ihnen Kraft und Geduld. Hilf ihnen, ihr Kind zu begleiten – in den einfachen Tagen und in den schweren.
Für die ElternGott, wir bitten dich für die Paten von [Name]: Lass sie ihre Verantwortung nicht vergessen. Gib ihnen die richtigen Worte zur rechten Zeit.
Für die PatenHerr, wir bitten dich für alle, die heute hier versammelt sind: Lass uns [Name] ein gutes Umfeld sein – eine Gemeinschaft, in der [er/sie] aufwachsen kann.
Für die GemeindeGott, wir bitten dich für die Kranken und Trauernden in unserer Mitte, für alle, die heute nicht bei uns sein können. Lass sie spüren, dass sie nicht allein sind.
Für FernstehendeHerr, wir bitten dich für unsere Verstorbenen in dieser Familie. Lass uns heute dankbar an sie denken – und gewiss sein, dass auch sie in deinen Händen sind.
Für VerstorbeneEine einzelne Fürbitte sollte nicht länger als drei bis vier Sätze sein. Kurze, ruhige Bitten wirken stärker als lange Formulierungen. Wer unsicher ist: laut vorlesen und auf den Atem achten.
Bibelverse im Fürbittgebet
Manchmal wird eine Fürbitte mit einem Bibelvers eröffnet oder abgeschlossen – als Begründung der Bitte aus dem Glauben heraus. Diese Verse aus der Lutherbibel 1984 passen inhaltlich gut zu den typischen Themen des Fürbittgebets bei der Taufe.
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
Psalm 139,5 · Lutherbibel 1984Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Psalm 91,11–12 · Lutherbibel 1984Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Matthäus 28,20 · Lutherbibel 1984Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!
1. Johannes 3,1 · Lutherbibel 1984