Was ist ein Taufname?

Der Begriff „Taufname" entstand im Hochmittelalter, als es üblich wurde, Kinder nach Heiligen zu benennen – oft nach dem Heiligen des Tauftages. In der frühen Kirche war das noch anders: Selbst heidnische Namen wurden nach der Taufe beibehalten. Erst ab dem 4. bis 7. Jahrhundert bildete sich ein Bestand christlicher Vornamen aus biblischen und hebräischen Quellen.

Wichtig ist eine Klarstellung: Die christliche Taufe ist kein Namengebungsritual. Der Name wird von den Eltern vergeben; der Geistliche tauft das Kind auf den Namen des dreieinigen Gottes, nicht auf den Vornamen. Im Gottesdienst wird das Kind mit seinem Namen angesprochen – weil der Glaube betont, dass Gott jeden persönlich kennt und ruft.

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Jesaja 43,1 · Lutherbibel 1984

Taufname heute – evangelisch und katholisch

Evangelisch

Der Taufname entspricht dem bürgerlichen Namen aus der Geburtsurkunde. Es gibt keine kirchenrechtlichen Vorgaben zur Namenswahl und keinen gesondert vergebenen Taufnamen. Der Taufschein vermerkt denselben Namen.

Katholisch

Zu Beginn des Taufritus fragt der Priester: „Welchen Namen haben Sie Ihrem Kind gegeben?" Das Kind trägt diesen Namen bereits. Der Codex Iuris Canonici (1983) schließt heute nur noch Namen aus, die dem christlichen Empfinden fremd sind – eine Einschränkung, die praktisch kaum eine Rolle spielt.

Historische Randnotiz

Martin Luther wurde am 10. November 1483 geboren. Am 11. November – dem Gedenktag des heiligen Martin von Tours – wurde er getauft und erhielt deshalb den Namen Martin. Dieses Prinzip, Kinder nach dem Tagesheiligen ihrer Taufe zu benennen, war im Mittelalter weit verbreitet.

Namenspatrone

Ein Namenspatron ist der Heilige, dessen Namen ein Getaufter trägt. Der Glaube dahinter: Der Heilige soll dem Namensträger Schutz und Beistand geben und als Fürsprecher bei Gott wirken. Der Katechismus der Katholischen Kirche (Nr. 2156) erläutert, dass der Taufname einen Heiligen bezeichnen kann, „ein christliches Mysterium oder eine christliche Tugend".

Den eigenen Namenspatron findet man über den Heiligenkalender. Das Bistum Regensburg und der Dienst namenstage.katholisch.de erlauben die Suche nach Vornamen.

Katholisch

Namenspatrone sind lebendige Praxis – viele Gläubige wissen jedoch nicht mehr, dass sie seit ihrer Taufe einen Patron haben. Bistümer wie Regensburg und Augsburg halten diese Tradition mit Gedenkbildern und Informationsmaterial wach.

Evangelisch

In der evangelischen Tradition gibt es keine Heiligenpatrone als Fürsprecher bei Gott – die Reformation lehnte diese Funktion der Heiligen ab. Biblische Gestalten und Glaubenszeugen wie Luther oder Bonhoeffer gelten aber als Vorbilder.

Namenstag

Der Namenstag ist der liturgische Gedenktag des Namenspatrons im Kirchenjahr – in der Regel der Todestag des Heiligen, der als Tag des Eingangs ins ewige Leben gilt. Historisch war der Namenstag in vielen Regionen bedeutsamer als der Geburtstag.

  • Katholisch — Der Namenstag ist im Heiligenkalender festgelegt und wird in vielen Familien mit einem Glückwunsch oder einer kleinen Feier begangen.
  • Evangelisch — Es gibt einen Evangelischen Namenkalender (1969 vom Rat der EKD freigegeben, seit 1976 mit dem katholischen Regionalkalender abgestimmt). Im kirchlichen Leben hat er sich wenig durchgesetzt; evangelische Christen begehen eher den Tauftag. Einzelne Gedenktage wie Sankt Martin (11. November) und Nikolaus (6. Dezember) sind auch evangelisch verbreitet.

Bekannte Heiligennamen

Eine Auswahl verbreiteter Vornamen mit ihrem Namenspatron, dem Namenstag und einer Kurzbeschreibung. Die Informationen stützen sich auf das Ökumenische Heiligenlexikon, die Bistümer Augsburg und Regensburg sowie Vatican News.

Weibliche Namen

NameNamenstagNamenspatronin
Anna 26. Juli Anna, Mutter Mariens — Nach apokrypher Überlieferung Mutter Mariens und Großmutter Jesu. Nach langer kinderloser Ehe gebar sie der Legende nach durch Engelsbotschaft Maria. Seit dem 6. Jahrhundert verehrt; gemeinsamer Gedenktag mit Joachim.
Elisabeth 19. November Elisabeth von Thüringen (1207–1231) — Ungarische Königstochter, Landgräfin von Thüringen. Bekannt für aufopfernde Armenfürsorge; gründete nach dem Tod ihres Mannes ein Spital in Marburg. Heiliggesprochen 1235. Patronin der Caritas, Witwen und Kranken.
Katharina 25. November Katharina von Alexandrien — Christliche Märtyrerin des frühen 4. Jahrhunderts in Ägypten. Soll Philosophen und die Kaiserin zum Glauben bekehrt haben. Patronin der Philosophen, Wissenschaftler und Studierenden.
Maria 22. Juli Maria Magdalena — Enge Jüngerin Jesu und erste Zeugin der Auferstehung. 2016 von Papst Franziskus liturgisch den Aposteln gleichgestellt. Patronin reuiger Sünderinnen und vieler Handwerkszünfte.
Theresia 1. Oktober Theresia von Lisieux (1873–1897) — Französische Karmelitin, folgte dem „kleinen Weg" einer kindlichen Hingabe an Gott. 1997 zur Kirchenlehrerin erhoben – dritte Frau nach Katharina von Siena und Teresa von Ávila. Patronin Frankreichs.

Männliche Namen

NameNamenstagNamenspatron
Georg 23. April Georg von Kappadokien — Christlicher Legionär, erlitt den Märtyrertod unter Kaiser Diokletian (ca. 303). Einer der 14 Nothelfer; Patron von England, Georgien und der Pfadfinder.
Johannes 24. Juni Johannes der Täufer — Cousin Jesu, Sohn von Zacharias und Elisabet. Rief zur Umkehr und taufte Jesus am Jordan. Einziger Heiliger außer Jesus und Maria, dessen Geburtstag liturgisch gefeiert wird.
Josef 19. März Josef von Nazareth — Zimmermann und Nährvater Jesu. In der Bibel als gerechter und fürsorglicher Mann beschrieben. Seit 1870 „Patron der gesamten Kirche". Patron der Familien, Handwerker und Arbeiter.
Martin 11. November Martin von Tours (ca. 316–397) — Römischer Soldat, der den Militärdienst aus Glaubensüberzeugung quittierte. Bekannt durch die Mantellegende: Er teilte seinen Mantel mit einem Bettler, in dem er Christus erkannte. Erster Nichtmärtyrer, der als Heiliger verehrt wurde.
Peter 29. Juni Simon Petrus — Fischer aus Bethsaida, einer der ersten Jünger Jesu. Von Jesus „Petrus" (griech.: Fels) genannt; nach Mt 16 Fundament der Kirche. Symbol: die Schlüssel. Gemeinsamer Festtag mit Paulus am 29. Juni.

Bibelverse zum Namen

In der Bibel ist der Name kein Zufall – Gott ruft Menschen beim Namen, verleiht ihnen neue Namen und kennt jeden persönlich. Diese Verse aus der Lutherbibel 1984 verbinden Namengebung und Taufe:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Jesaja 43,1 · Lutherbibel 1984

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Lukas 10,20 · Lutherbibel 1984

Wer überwindet, dem will ich geben von dem verborgenen Manna und will ihm geben einen weißen Stein; und auf dem Stein ist ein neuer Name geschrieben, den niemand kennt als der, der ihn empfängt.

Offenbarung 2,17 · Lutherbibel 1984